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Die Pfarrkirche St. Vitus zu Lette

 

Die Letter St.-Vitus-Kirche wurde 1251 erstmals als Pfarrkirche bezeichnet. Sie entstand im 13. Jahrhundert als einschiffiger, dreijochiger Bau aus Quadermauerwerk anstelle der ursprünglichen Kapelle, die dem heiligen Vitus geweiht war.

 

Bereits an der Kapelle wurden die Nonnen des Doppelklosters Clarholz-Lette angesiedelt. In ihrer damaligen Form verfügte die Kirche über einen Westturm, der den Giebel nur um den späteren Glockenstuhl überragte. Die beiden westlichen Joche sind heute noch erhalten und im Neubau integriert.

 

Das östliche Joch und der Chorbau wurden 1921 abgerissen, um dem von Eduard Goldkuhle aus Wiedenbrück entworfenen Querhaus Platz zu schaffen. Dieses wurde mit Ausnahme der Apsis wiederum im Jahre 1971 abgerissen. An dieser Stelle entstand der jetzige Neubau, ein Saalbau mit gegiebelter Decke und einem Walmdach. Die Pläne zeichnete Architekt Alfons Leitl aus Köln. 1972 wurde der Neubau durch Bischof Heinrich Tenhumberg eingeweiht. Alt- und Neubau sind mit einem überdachten Gang verbunden, so dass ein Innenhof entsteht. Dieser erinnert an die klösterliche Vergangenheit der Kirche. Erloschen ist das klösterliche Leben in Lette bereits im 16. Jahrhundert. Das Klostergebäude lag nördlich der Kirche und war schon im 18. Jahrhundert völlig verschwunden. Seitdem war die Kirche ausschließlich Pfarrkirche.

 

Eine Besichtigung der Kirche empfiehlt sich vom Eingang des alten Teils aus. Zunächst fallen draußen aber zwei kleine, ungewöhnliche Rundfenster und ein schönes Portal, welches das mittlere Joch schmückt, auf. Das Portal wird beiderseits von je zwei Säulen mit phantasievoll gestalteten Kapitellen flankiert.

 

Der Weg ins Innere führt dann durch den Turm. Dieser wurde 1856-58 nach Plänen des Baumeisters Emil von Manger aus Oelde in neuromanischen Formen errichtet. Der alte Turm befand sich um 1850 in einem schlechten Zustand. In Lette waren die Meinungen geteilt, ob man, wie von Kaplan Averdam vorgeschlagen, einen Neubau wagt, oder, wie von Pfarrer Hörster angedacht, bloß die Erneuerung des Turmhelms vornimmt. Da durch einen neuen Turm Platz geschaffen wurde, stellte sich Münsters Bischof Johann Georg Müller auf die Seite der Neubaubefürworter. Das Rundbogenportal des Turms im Westen ist wohl vom Vorgängerbau übernommen. Es ähnelt dem romanischen Portal auf der Südseite, ist aber schlichter gestaltet. Im Turm hängen drei Bronzeglocken, die 1948 in Gescher gegossen wurden. Sie haben 134, 104 und 88 cm Durchmesser und klingen in den Tönen es’, g’ und b’.

 

Betritt man nun die Kirche, blickt man zunächst auf das Friedhofskreuz von 1902. Darunter geht es in die Marienkapelle, in der ein Vesperbild aus der westfälischen Bildhauerkapelle (17. Jhdt.) verehrt wird. Im Turmraum leitet ein hoher Spitzbogen in den erhaltenen mittelalterlichen Kirchenraum. Die ursprüngliche alte Kirche war gewölbt. 1641 wurden die Gewölbe ausgehauen und durch die jetzige Decke ersetzt.

 

Im alten Teil der Kirche befinden sich die Figuren der hl. Theresia von Lisieux (20. Jhd.), der Apostel Petrus und Paulus (um 1930), des Propheten Moses und des Pfarrpatrons Vitus. Im neuen Teil der Kirche sieht man die Figur des hl. Joseph (um 1900). Daneben über der Sakristeitür hängt ein Bild der „Himmelfahrt Mariens“. Es stammt aus dem früheren Barockaltar in der Apsis und ist signiert „im Juli 1831“. Im Chorraum hinter der Altarinsel stehen zwei alte Chorstühle, gefertigt vom Tischlermeister Weinekötter aus Lette. Der Altar wurde 1984 nach Plänen des Oelder Bildhauers Leo Neumann neu gestaltet.

 

Im Sockel des Altares werden zwei Kunstschätze von überregionaler Bedeutung aufbewahrt: ein Reliquiar und ein Tragaltar (Mitte des 12. Jahrhunderts). Sie stammen wahrscheinlich aus dem ehemaligen Kloster Helmarshausen. Das Reliquiar besteht aus einem Holzkern mit gravierten Kupferplatten bekleidet. Auf den von außen vergoldeten Kupferplatten sind die zwölf Apostel dargestellt, je vier an den Längsseiten, je zwei an den Schmalseiten. Die Dachflächen der Längsseiten sind mit gravierten Kupferplatten bedeckt. Sie zeigen auf der Längsseite die Geburt Christi und die Verkündigung, auf der anderen die Frauen am Grabe und die Kreuzigung. Auf den Walmflächen sitzen vergoldete Grubenschmelzplatten, die auf der Schmalseite die Taufe Christi, auf der anderen die Himmelfahrt Christi zeigen. Der Tragaltar besteht ebenso aus einem Holzkern mit Kupferplatten. Die gravierten Platten an den Wandungen des Altars zeigen, jeweils paarweise einander zugewandt, die zwölf Apostel auf „Regenbögen“. Sie sitzen unter Arkaden. Die Schrägen von Deckel- und Bodenplatte sind mit gestanzten Blechstreifen mit Kreuzen und Punkten zwischen Perlenstreifen geschmückt.

 

Über dem Altar hängt das von Heinrich Lückenkötter gestaltete Kreuz. Rechts im Chorraum steht der alte romanische Taufstein. Darüber hängen zwei Gemälde des Künstlers Heinrich Repke aus Wiedenbrück „Das Mahl mit den Emmausjüngern“ und „Die Kreuzigung“. Daneben befindet sich die Statue „Maria Immaculata“. Der Tabernakel wurde von Kurt Polders aus Kevelaer gefertigt. Dazu sind in der Apsis die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Figuren des hl. Thomas von Aquin, der hl. Juliana von Lüttich, der zwei Engel und des Lammes angebracht.

 

Jüngste Renovierungen

Bevor Pfarrer Hans-Ulrich Dissen im Jahr 2003 die Vitusgemeinde verließ, wurde der neue Teil der Kirche gestrichen, der Kreuzweg des Wiedenbrücker Künstlers Heinrich Repke aus dem Jahre 1925 überarbeitet und gerahmt. Ferner wurde die 1975 vom Rietberger Orgelbauer Speith erbaute, dreimanualige Orgel mit ihren 39 klingenden Registern von Johannes Falke, Orgelbau Sauer aus Höxter, neu intoniert. Zuvor schon wurden die Bankschiffe von drei auf zwei reduziert. Derzeit wird das alte Uhrwerk, das aus dem Hause Vortmann in Recklinghausen stammt und seit 1919 treu auf der ersten Etage des Kirchturms stand, von einigen Heimatfreunden restauriert. Seine Fachkenntnisse bringt auch Johannes Hegemann aus Greffen ein. Auf dem Kirchenvorplatz soll das Uhrwerk, das sich noch in einem guten Zustand befand, in einem Vitrinengebäude ausgestellt werden. Unterstützt wird das Vorhaben von Spendern wie der Kulturstiftung der Sparkasse. 

 

 

Literatur

 

Das Kloster Clarholz und die Pfarrkirchen von Lette und Beelen (ISBN 3-89870-235-9) von Johannes Meier

 

875 Jahre Clarholz und Lette

 

Rundgang

 

Am Turmeingang liegen Begleittexte für einen Rundgang aus.

 

 

 

                 
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